Vision Waterborne Express

Herr Konopke aus Berlin hat einen Kundentermin in Kopenhagen. Er steigt um 11:00 Uhr am Hauptbahnhof in das Passagiermodul des Waterborne-Express (WBX2030). Damit wird der Bahnhof zum verlängerten Fährterminal und Herr Konopke muss seinen Sitzplatz bis Kopenhagen nicht verlassen. Innerhalb des Passagiermoduls gibt es alle notwendigen und gewünschten Annehmlichkeiten, so z.B. Lese-, Liege- und Arbeitsplätze. Die Reisezeit kann dadurch individuell je nach Vorliebe erholsam oder produktiv genutzt werden.

Das Passagiermodul fährt per Schiene nach Rostock-Warnemünde und wird dort um 12:00 Uhr mit weiteren Passagier- und Frachtmodulen in den Rumpf des WBX2030 verladen. Die Frachtmodule unterscheiden sich äußerlich kaum von den Passagiermodulen, um die Kompatibilität untereinander zu gewährleisten. Im Inneren sind die Frachtmodule jedoch sehr speziell. Dort sind beispielsweise verschiedene Zwischenböden flexibel installiert. Die im Material integrierten Sensoren überwachen ständig die Bedingungen wie Temperatur, Feuchtigkeit und Helligkeit und regeln gleichzeitig die erwünschten Werte. Mit an Bord des WBX2030 ist heute unter anderem ein Frachtmodul mit frischen Nahrungsmitteln aus Brandenburg, die während der Fahrt an Großhändler in Skandinavien versteigert werden können. Indem die Ermittlung des besten Preises zeitgleich mit dem Transport stattfindet, wird eine höchstmögliche Frische gewährleistet. Nach der Zuschlagserteilung um 12:30 Uhr „weiß“ das Frachtmodul der Nahrungsmittel, dass sein Inhalt nach Stockholm verkauft wurde und nimmt selbstständig mit anderen Frachtmodulen die gemeinsame Fahrt Richtung Stockholm als eine Transporteinheit auf.

Der WBX2030 ist als Bodeneffektfahrzeug sowohl Schiff als auch Flugzeug und verbindet die Geschwindigkeit des Lufttransports mit der Energieeffizienz des Seetransports. Es besteht aus robusten und doch leichten Sandwich-Materialien und kann dank Brennstoffzellenantrieb auch in der seit 2025 ausgewiesenen Umweltzone Ostsee eingesetzt werden. Im Bodeneffekt bewegt sich das Fahrzeug mit bis zu 250 km/h, indem es dank einer Luftwalze unter den Tragflächen knapp über der Meeresoberfläche gleitet, und setzt mit dieser Geschwindigkeit Maßstäbe bei der Vernetzung des baltischen Raums.

Durch ausgewiesene Hochgeschwindigkeits-Korridore kann der WBX2030 schnell Fahrt aufnehmen und erreicht zügig die offene See. Dort wird der Schiffsoperator nicht nur durch verschiedene Assistenzsysteme beim sicheren Betrieb unterstützt, sondern kontinuierlich durch die Leitzentrale „Ostsee“ beobachtet und begleitet.

Auf dem Kurs kreuzt er den Kurs eines Fischkutters, dessen Navigations- und Ortungssystem ausgefallen ist. Dank der umfassenden Sensorik an Bord und der von der Leitzentrale ausgewerteten Satellitenüberwachung wird die Gefahr rechtzeitig erkannt und ein Ausweichmanöver eingeleitet. Der Zielhafen kennt bereits die exakte Zeit des Einlaufens und leitet den WBX2030 um 12:45 Uhr an ein freies Terminal, wo alles für eine schnelle Entladung vorbereitet ist. Während das Frachtmodul mit den Nahrungsmitteln bereits seinen Zielort Stockholm übertragen bekommen hat, verlässt das Passagiermodul, in dem sich Herr Konopke befindet, das Fahrzeug und wird per Schiene in die Innenstadt Kopenhagens transportiert. Gut erholt trifft Herr Konopke am Bahnhof Kopenhagen von seiner Seereise ein und erinnert sich nur dunkel daran, dass diese Fahrt früher mehr als doppelt so lange gedauert hat und er viermal umsteigen musste.